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So üben Sie den Sonnengruß sicher und passend zu Ihrem Yoga-Level

Sie möchten den Sonnengruß lernen, sind aber unsicher, in welcher Reihenfolge die Haltungen kommen oder wie schnell Sie sich bewegen sollen. Eine übersichtliche Abfolge, einfache Anpassungen und klare Orientierung helfen Ihnen, die Praxis an Ihre Möglichkeiten anzupassen.

Von Redaktion Yoga Avataria · · 6 Min. Lesezeit

Frau in Bh und Leggings macht auf Yogamatte Kobra-Pose im hellen Wohnzimmer mit Fensterblick

Vielleicht begegnet Ihnen der Sonnengruß am Anfang einer Yogastunde oder in einem Video für die Morgenroutine. Die fließende Folge kann vertraut aussehen, doch beim Mitmachen wechseln Vorbeuge, Stütz und Rückbeuge rasch; zugleich soll der Atem ruhig bleiben. Sie müssen die Bewegungen nicht sofort verbinden oder besonders tief ausführen. Entscheidend ist, eine verständliche Variante zu wählen und bei jedem Übergang zu merken, ob Sie stabil und ohne Druck üben können.

Was macht den Sonnengruß aus?

Der Sonnengruß, auf Sanskrit Surya Namaskar, ist eine Abfolge von Yoga-Haltungen, die mit Übergängen zu einem Bewegungsfluss verbunden werden. Häufig dient er als Einstieg in eine Praxis oder als eigenständige kurze Übungsfolge. Der Name bedeutet nicht, dass Sie zwingend bei Sonnenaufgang üben müssen. Auch Tempo, genaue Ausführung und einzelne Haltungen sind nicht in allen Schulen gleich.

In einer verbreiteten Form folgt auf den Stand mit den Händen vor der Brust eine Streckung nach oben, eine Vorbeuge, ein Ausfallschritt, eine Stütz- und Absenkbewegung, eine Rückbeuge und der herabschauende Hund. Anschließend geht es über einen Ausfallschritt und die Vorbeuge zurück zum Stand. Die in einer Übersichtsarbeit beschriebene Bihar-School-Variante umfasst zwölf Haltungen, die sich beim Wechsel der führenden Seite zu 24 Bewegungsschritten pro Runde ergänzen. Das ist eine bestimmte Zählweise und keine verbindliche Vorgabe für jede Sonnengruß-Variante, wie die Übersichtsarbeit zu Surya Namaskar erläutert.

Eine Haltung, die Sie als Sonnengruß kennenlernen, kann in einer anderen Schule anders aussehen oder anders benannt werden. Deshalb ist es hilfreicher, den Bewegungsweg und die eigene Ausführung zu verstehen, als sich an einer vermeintlich einzig richtigen Zählung festzuhalten. Wenn Sie zunächst verschiedene Grundlagen und Yogastile einordnen möchten, hilft Ihnen der Überblick zum Einstieg in die Yogapraxis.

Welche Variante passt zu Ihrem Erfahrungsstand?

Im Unterricht begegnen Ihnen oft kürzere oder fließendere Varianten. Manche führen von der Vorbeuge direkt in eine Plank-Position, andere beugen die Knie ab und setzen die Knie auf, bevor Brust und Kinn oder der ganze Körper zum Boden kommen. Auch die Rückbeuge kann als kleine Kobra mit aufliegenden Becken und Oberschenkeln geübt werden. Bei einer beweglicheren oder kräftigeren Variante wird dagegen womöglich in den herabschauenden Hund oder aus einer tiefen Stützposition gewechselt.

Wählen Sie eine Form, bei der Sie die Übergänge nachvollziehen können. Wenn das Absenken mit gestreckten Beinen zu viel Kraft verlangt, setzen Sie die Knie ab. Wenn die Hände den Boden nicht bequem erreichen, beugen Sie die Knie oder legen Sie die Hände auf stabile Erhöhungen. Im herabschauenden Hund dürfen die Knie gebeugt bleiben; die Fersen müssen den Boden nicht berühren. Der Bewegungsumfang ist kein Maß für den Wert Ihrer Praxis.

Der Sonnengruß ist dynamischer als ruhige, länger gehaltene Übungen, aber daraus folgt nicht, dass jede Ausführung anstrengend oder für jede Person gleich geeignet ist. Eine kleine Vergleichsstudie von 2013 untersuchte 20 gesunde Yoga-Lehrende, die verschiedene Yogapraktiken einschließlich Sonnengruß seit sieben bis acht Jahren übten. Die Forschenden verglichen die Belastung in drei Intensitätsbereichen: leicht mit 10 bis 20 Prozent, moderat mit 21 bis 40 Prozent und hoch mit 41 bis 50 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme. Bei vergleichbarer hoher Belastung waren mehrere gemessene Herz-Kreislauf-Reaktionen beim Radfahren höher als beim Sonnengruß. Die Ergebnisse beschreiben diese erfahrene und kleine Teilnehmergruppe, nicht automatisch Ihren persönlichen Trainingseffekt oder jede Variante. Sie sind im Studienbericht zum Vergleich mit Radfahren nachzulesen.

Auch die Einordnung in einen Yogastil sagt nicht allein voraus, wie eine Stunde abläuft. Hatha-Yoga kann je nach Lehrkraft und Kurs ruhig oder körperlich fordernd gestaltet sein. Was typischerweise zu einer Stunde gehören kann, erfahren Sie unter Hatha Yoga in der Praxis.

Wie verbinden Sie Bewegung und Atem?

In vielen Anleitungen beginnt das Heben der Arme mit dem Einatmen, während die Vorbeuge mit dem Ausatmen verbunden wird. Beim Zurücktreten in den Stütz oder beim Wechsel in den herabschauenden Hund gibt es ebenfalls häufig eine Atemzuordnung. Diese Koordination kann helfen, die Folge gleichmäßig zu gestalten. Sie ist jedoch kein Grund, den Atem anzuhalten oder eine Bewegung gegen die eigene Atmung zu erzwingen.

Üben Sie die Übergänge zunächst einzeln. Bleiben Sie zum Beispiel in der Vorbeuge stehen und atmen Sie normal, bevor Sie einen Schritt nach hinten machen. Wenn eine Bewegung länger dauert als ein Atemzug, atmen Sie weiter, statt die Bewegung zu beschleunigen. Kommen Sie außer Atem, verlangsamen Sie das Tempo oder unterbrechen Sie die Runde. Die Atemführung soll die Bewegung begleiten, nicht zu zusätzlichem Druck führen.

Für Ihre erste Runde können Sie sich an dieser einfachen Reihenfolge orientieren:

  1. Stellen Sie sich aufrecht hin und lassen Sie die Füße bequem stehen. Die Hände können vor der Brust zusammenkommen.
  2. Heben Sie die Arme nur so weit, wie sich Schultern und Rücken angenehm anfühlen.
  3. Beugen Sie sich nach vorn. Geben Sie den Knien so viel Beugung, dass Sie nicht an den Beinen ziehen müssen.
  4. Setzen Sie einen Fuß nach hinten in einen Ausfallschritt. Stützen Sie sich mit den Händen ab und richten Sie den Oberkörper so aus, dass Sie stabil bleiben.
  5. Treten Sie mit dem anderen Fuß zurück. Setzen Sie bei Bedarf die Knie auf und senken Sie sich kontrolliert ab.
  6. Kommen Sie in eine kleine Kobra oder eine andere für Sie passende Rückbeuge.
  7. Schieben Sie das Becken nach hinten und oben. Beugen Sie die Knie im herabschauenden Hund, wenn das die Position angenehmer macht.
  8. Führen Sie den vorderen Fuß nach vorn, wechseln Sie die Seite und kommen Sie über eine Vorbeuge wieder zum Stand.

Diese Abfolge ist eine Orientierung, keine Prüfung. Wenn Sie den Seitenwechsel oder eine Bewegung nicht sicher ausführen können, bleiben Sie in einer einfacheren Variante oder lassen Sie die betreffende Position aus. Wer neu mit Yoga beginnt, kann weitere Hinweise zum sicheren Start in Yoga nutzen.

Worauf sollten Sie bei der Ausführung achten?

Beobachten Sie zunächst nicht, wie tief Sie sich beugen, sondern ob Sie die Übergänge kontrollieren. Die Hände sollten in Stützpositionen so aufliegen, dass Sie sich nicht in die Gelenke fallen lassen. Verteilen Sie den Druck angenehm über die Handflächen und passen Sie die Position an, wenn Handgelenke, Knie oder Rücken schmerzen. Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen, besonders beim Wechsel zwischen Vor- und Rückbeuge.

Machen Sie die Runde kleiner, wenn Sie sich müde, unsicher oder ungewöhnlich verspannt fühlen. Eine Wand, ein Stuhl oder ein Block kann als Unterstützung dienen, sofern die Hilfsmittel stabil stehen. Wenn Ihnen schwindelig wird, Sie Schmerzen bekommen oder Ihre Atmung deutlich aus dem Rhythmus gerät, pausieren Sie. Beschwerden sind kein Zeichen, dass Sie sich nur stärker anstrengen müssten.

Yoga gilt für gesunde Menschen bei angemessener Ausführung allgemein als sichere körperliche Aktivität, dennoch können Verletzungen auftreten. Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health nennt Zerrungen und Verstauchungen als häufige Verletzungsarten und führt Knie sowie Unterschenkel als oft betroffene Bereiche auf. Menschen ab 65 Jahren haben demnach eine höhere Rate an Yoga-Verletzungen, die in Notaufnahmen behandelt werden, als jüngere Personen. Bei bestehenden Verletzungen, Erkrankungen, Gleichgewichtsproblemen oder während einer Schwangerschaft können individuelle Anpassungen nötig sein. Diese Hinweise fasst die Behörde in ihren Informationen zu Sicherheit und möglichen Risiken von Yoga zusammen.

Woran erkennen Sie, dass die Runde für Sie passt?

Prüfen Sie nach der Runde kurz, wie Sie sich fühlen: Konnten Sie die Bewegungen kontrollieren? Ist Ihre Atmung ruhig geblieben? Haben Sie irgendwo Druck oder Schmerz bemerkt? Wenn Sie sich wohlfühlen, können Sie die gleiche Variante erneut üben. Wenn einzelne Übergänge schwierig waren, ändern Sie nur diese Stelle, statt die ganze Folge schneller oder anspruchsvoller zu machen.

Sie müssen weder eine bestimmte Anzahl von Runden schaffen noch eine feste Dauer einhalten. Ein nachvollziehbarer Ablauf, eine anpassbare Bewegungsweite und eine gleichmäßige Atmung sind sinnvollere Orientierungspunkte. So bleibt der Sonnengruß eine Übungsfolge, die Sie entsprechend Ihrer Tagesform gestalten können, und nicht eine Leistung, die Sie erfüllen müssen.

Häufige Fragen

Muss ich den Sonnengruß morgens üben?

Nein. Der Name legt keine bestimmte Tageszeit fest. Sie können die Abfolge dann üben, wenn sie in Ihren Alltag passt und Sie sich dafür ausreichend beweglich und aufmerksam fühlen. Beginnen Sie nach längerem Sitzen oder direkt nach dem Aufstehen langsamer, statt sofort in ein hohes Tempo zu wechseln. Eine Pause oder eine kleinere Bewegungsweite ist jederzeit möglich.

Wie viele Runden Sonnengruß sind sinnvoll?

Eine allgemeingültige Anzahl gibt es nicht. Orientieren Sie sich daran, ob Sie die Übergänge kontrolliert ausführen und entspannt weiteratmen können. Schon eine langsame Runde kann zum Üben der Reihenfolge genügen. Wenn die Haltung instabil wird, der Atem stockt oder Beschwerden entstehen, beenden Sie die Runde oder wechseln Sie in eine Pause, statt eine feste Zahl erreichen zu wollen.

Kann ich den Sonnengruß bei Knie- oder Rückenbeschwerden üben?

Das hängt von der Ursache und Ihren individuellen Möglichkeiten ab. Der Sonnengruß enthält unter anderem Vorbeugen, Ausfallschritte und belastete Stützpositionen, die angepasst werden müssen oder ungeeignet sein können. Bei bestehenden Beschwerden oder einer Verletzung sollten Sie vorab ärztlichen Rat einholen und mit einer qualifizierten Yogalehrkraft besprechen, welche Variante infrage kommt. Brechen Sie ab, wenn Schmerzen zunehmen.

Quellen

  1. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov, Übersichtsarbeit zu Surya Namaskarabgerufen am 06.10.2026
  2. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov, Studienbericht zum Vergleich mit Radfahrenabgerufen am 06.10.2026
  3. nccih.nih.gov, Sicherheit und möglichen Risiken von Yogaabgerufen am 06.10.2026